Autonomía blüht!

Vor gut einem Jahr haben wir zum ersten Mal von Autonomía berichtet. In diesem  Newsletter informieren wir darüber, was seit Geschäftsstart mit der ersten Zürcher Plattformkooperative von Reinigerinnen passiert ist und was als Nächstes ansteht.

Nach der Gründung von Autonomía im Dezember 2021 wollten die sieben Gründerinnen mit Unterstützung von uns zwei von FRAUEN 50Plus alles in Ruhe vorbereiten, um im Februar mit ein paar wenigen Kund:innen zu starten. Es kam jedoch alles anders…

Der nervenaufreibende Sprint

Dank des Medienechos gab es im Januar bereits mehrere Hundert Menschen, die an der Dienstleistung von Autonomía interessiert waren. Diese potentiellen Kund:innen wollten wir uns nicht entgehen lassen! Doch wir hatten nicht genügend Reinigerinnen, um die Nachfrage zu bedienen. Ganz nach dem Motto «Augen zu und durch» stellten wir deshalb im Schnelldurchlauf 16 Reinigerinnen an. Nebenbei bauten wir das ganze Backoffice auf. Nach einer Reinigungsweiterbildung starteten wir am 1. Februar offiziell mit dem Geschäft von Autonomía. Nerven aus Stahl waren gefragt! Im Grossen und Ganzen verlief der Geschäftsstart aber erfreulich.

Von 7 auf 28

Seither reinigen die Mitarbeiterinnen von Autonomía regelmässig Privathaushalte und vereinzelt auch Gewerberäume. Tag für Tag entwickeln wir gemeinsam das Kooperativemodell weiter, optimieren die Prozesse und verbessern unsere Zusammenarbeit. Denn eine Kooperative gemeinsam zu führen, will gelernt sein. Vier der Gründerinnen arbeiten sich im Rahmen eines praktischen Fortbildungsprogramms in die Verwaltungsbereiche Kundendienst, Kommunikation, Personalwesen und Buchhaltung ein. Sie sind sehr motiviert und können viele Aufgaben wie zum Beispiel die Rekrutierung von neuen Kolleginnen bereits selbständig erledigen.

Mittlerweile sind 28 Reinigerinnen für Autonomía tätig. Sie arbeiten im Schnitt 40%, was ein Total von knapp 10 Vollzeitstellen ergibt. Die Reinigerinnen entscheiden, wie viel und wo sie arbeiten möchten und stehen in direktem Austausch mit den Kund:innen. Dies bedeutet mehr Freiheit für die Reinigerinnen, erfordert aber auch gewisse kommunikative und organisatorische Fähigkeiten von ihnen. Sie sind bereit, sich gegenseitig zu unterstützen: Wenn die Reinigungsqualität noch nicht zufriedenstellend ist, wird die Mitarbeiterin von einer ihrer Kolleginnen begleitet, damit sie sich verbessern kann.

Für die einen Freiheit, für andere eine Herausforderung

Den meisten gefiel die autonome Arbeitsweise von Beginn an sehr, weil sie gerne unabhängig arbeiten und den Handlungsspielraum schätzen. Wie zum Beispiel Sandra: «Mir gefällt, dass ich selbständig arbeiten kann. Die Kontakte mit den Kunden sind direkt. Ich kann mit ihnen die Termine koordinieren. Ich trage meine eigene Verantwortung mit den Terminen und mit meiner Arbeit.» Ihre Kollegin Manuela bestätigt dies und ergänzt: «Es gibt keine Aufsichtperson, die uns kontrolliert. Das gefällt mir

 Andere Frauen hatten mehr Mühe, sich zurechtzufinden oder sich als Expertinnen gegenüber den Kund:innen zu positionieren. So ging es zum Beispiel einer älteren Frau, die noch nie selbständig gearbeitet hatte und längere Zeit arbeitslos gewesen war. Durch individuelles Coaching hat sie eine enorme persönliche Entwicklung geleistet. Mittlerweile hören wir nichts mehr von ihr oder von ihren Kund:innen – ein gutes Zeichen!

Yajaira, eine der Gründerinnen führt ihre Kollegin Yalem ein.

Zeit Danke zu sagen!

Vor einem Jahr schrieben wir, dass die Reinigerinnen mit der Gründung ihres Unternehmens die Zukunft ihrer Branche selbst in die Hand nehmen mit der Vision, der Reinigungsarbeit jenen Wert zu geben, den diese Arbeit verdient. Davon sind wir noch sehr weit weg. Mit Sicherheit sagen können wir, dass mittlerweile 28 Angestellte von guten Bedingungen und einem anständigen Lohn profitieren. Amen betätigt das: «Ich habe 7 Jahre in anderen Firmen gearbeitet. Der Lohn ist der beste im Vergleich mit allen anderen Firmen.» Zudem sind alle Reinigerinnen über Autonomía sozialversichert und erhalten Krankentaggeld – für viele zum ersten Mal überhaupt.

Die Anzahl Kund:innen von Autonomía

Die nächsten fünf Frauen stehen bereits in den Startlöchern. Dieses Wachstum ist nur möglich dank der konstanten Anfrage seitens Kund:innen. Es hat uns unglaublich berührt, wie viele Menschen von Beginn weg an Autonomía geglaubt haben. Und wir können uns glücklich schätzen, denn wir haben sehr nette und verständnisvolle Kund:innen. Oder in Miriams Worten: «Die Kunden sind anders als in meiner letzten Arbeit. Sie sind freundlich und ich fühle mich wohl und respektiert.» Dafür sind wir sehr dankbar.

 

Für die nächsten Monate stehen die Ausbildung der Grundkompetenzen Deutsch und IT sowie die Vermittlung der Kultur von Autonomía an. Es bleibt also viel Arbeit!

 

Herzliche Grüsse,
Jael Bueno und Sabri Schumacher

 

Lektorin: Nina Meili

 

PS: Mehr darüber, wie Autonomía organisiert ist, erfahrt ihr im nächsten Newsletter.

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Autonomía ist einjährig

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Die Gründungsfeier von AUTONOMIA. Der Abschluss eines aufregenden Jahres