Autonomía ist einjährig
Vor einem Jahr haben sieben Frauen die Plattformkooperative für Reinigung gegründet. Nun arbeiten 35 Frauen als Reinigerinnen über Autonomía. Was es für eine Unternehmensgründung braucht und wie wir den Erfolg nachhaltig sicherstellen möchten, erfahrt ihr im exklusiven Kooperativen-Rezept.
Frauen von Autonomía und FRAUEN 50Plus feiern zusammen das einjährige Bestehen im Maxim Theater. Fotografin: Sandra Ritter
Von der Idee zur Umsetzung
Vor zwei Jahren war es nur eine Idee, vor einem Jahr hat die Idee Form angenommen und heute ist Autonomía eine funktionierende Kooperative mit bald 50 Mitarbeiterinnen. Wenn wir eines gelernt haben, dann ist es, an uns und unsere Vision zu glauben. Gewiss, es war kein Spaziergang und die Entwicklung von Autonomía hat viel Energie, unglaublich starke Nerven und viele Nachtschichten erfordert. Wir haben für euch zusammengefasst, welches die wichtigsten Zutaten für den Aufbau eine Kooperative sind – am Beispiel einer Wähe:
250 Gramm Vertrauen und 250 Gramm Disziplin für den Teig
Klingt banal, ist aber so. Dabei ist Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten genauso wichtig wie das Vertrauen in die Kolleginnen. Nicht zuletzt ist es wichtig, Vertrauen in die Mission und Visionen zu haben. Ein Unternehmen zu führen, erfordert viel Einsatz und Beharrlichkeit. Diese Disziplin aufzubringen ist enorm wichtig.
Sozialkompetenz als Belag
In einer Kooperative ist das grösste interne Risiko die zwischenmenschliche Zusammenarbeit. Eine kooperative Führungskultur will gelernt sein. Essenziell dafür sind eine proaktive Kommunikationskultur und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten. Zur Stärkung der Gemeinschaftsbildung und des Zugehörigkeitsgefühls entwickeln wir derzeit ein Coachingmodell, anhand dessen die Reinigerinnen sich gegenseitig weiterbilden und ihr Wissen weitergeben.
Ein Guss aus Wissen und Kompetenzen
Mit Autonomía haben wir ein Unternehmen aufgebaut, bei dem ein grosser Teil des Kuchens an die Reinigerinnen geht. Das ist nur möglich, wenn diese Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten und die Administration im Hintergrund möglichst effizient arbeitet. Um dies zu gewährleisten, haben wir ein Fortbildungsprogramm konzipiert. Wir fördern die Deutsch– und IT- Kompetenzen der Arbeiterinnen und bilden die Verwalterinnen in ihren jeweiligen Bereichen aus. Mit der Unterstützung der Vontobel Stiftung haben wir in einem zusätzlichen Kurs das Wissen über Strategieentwicklung, Marketing, Arbeits- und Genossenschaftsrecht sowie Personalführung an die Reinigerinnen weitergegeben.
Den Ofen mit Solidarität vorheizen
Natürlich hat der Aufbau von Autonomía nur funktioniert, weil Menschen an uns geglaubt und auch viele aktiv mitgeholfen haben. Dazu gehören die folgenden fantastischen Frauen: Esther Baur, Nathalie Caballero, Verena Hillmann, Marisol Keller, Madeleine Marti und Nina Meili. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre Autonomía nicht, was es heute ist. Ein grosses Dankeschön geht zudem an artin Solms und Jürg Rebsamen von innovage.ch und an die Stiftung Zürich-Jobs, die als Förderorganisationen an uns geglaubt und uns finanziell unterstützt haben.
Eine lange Garzeit
Wie nachhaltig der Erfolg von Auonomía ist, wird sich 2024 zeigen. Dann wird die Kooperative ohne die Unterstützung von FRAUEN 50Plus funktionieren müssen. Bis die Verwalterinnen bereit sind, die Kooperative gemeinsam zu führen, brauchen sie nächstes Jahr noch eine enge Fachbegleitung. Wir sind zuversichtlich, dass sie es schaffen werden und werden dafür unser Bestes geben. Dabei sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Die Gründung von sozialen Unternehmen von und für Frauen ist möglich und – noch viel wichtiger: es lohnt sich!
Jael Bueno und Sabri Schumacher
Fotografin: Sandra Ritter
Lektorin: Nina Meili