Wir sind in die zweite Hälfte gestartet
Seit einem Jahr sind wir am Aufbau von Autonomía. Bis Ende Jahr bleibt noch viel zu tun. Wie das Kooperative-Modell funktioniert und was die grösste Herausforderung dieses Jahr sein wird, erfahrt ihr hier.
Was bis jetzt alles steht
Die Mission war uns klar seit wir die Kooperative geplant hatten: Nach zwei Jahren soll sie als unabhängige Plattformkooperative funktionieren, selbstverwaltet und finanziell gesund. Am 1. Februar vor einem Jahr haben wir mit der Geschäftstätigkeit von Autonomía gestartet. Zusammen mit den Frauen der Verwaltung haben wir einen Bereich nach dem anderen aufgebaut: Personalmanagement, Kund:innendienst, Finanzen, Kommunikation und Marketing. Die Finanz- und Lohnbuchhaltung werden von externen Expertinnen getätigt und für technische Fragen haben wir einen Support.
Organigramm Stand Februar 2023
Wie die Selbstorganisation funktioniert
Pro internen Bereich gibt es eine bis zwei Verwalterinnen, die sich während der zwei Jahre einarbeiten. Die vier Frauen, die teilweise auch in der Reinigung arbeiten, erledigen aber nicht nur Administrationsaufgaben, sondern übernehmen als Verwaltung die operative Führung der Kooperative. Dazu gehören Entscheidungen über das Tagesgeschäft sowie die Gestaltung der Prozesse, die sicherstellen sollen, dass die Kooperative möglichst reibungslos läuft. In ihren jeweiligen Bereichen sind sie berechtigt, Entscheidungen autonom zu fällen. Sobald es einen weiteren Bereich berührt, ist eine Absprache mit der Kollegin des anderen Bereichs notwendig. Alle drei Wochen treffen sich die Verwalterinnen, um Informationen auszutauschen und gemeinsam grössere Entscheidungen zu treffen oder um Geschäfte vorzubereiten und zu planen. So zum Beispiel die Mitgliederversammlung, die am 8. März ansteht.
Partizipation heisst…
…sich versammeln und gemeinsam diskutieren gehört zu einer Kooperative.
An dieser jährlichen Mitgliederversammlung entscheiden schliesslich die Genossenschafterinnen über strategische Fragen der Genossenschaft, nehmen die Jahresrechnung und das Budget ab und wählen nicht zuletzt die Verwaltung. Dieses Jahr wird die Frage diskutiert, ob die Reinigerinnen, die Mitglieder sind, auch materielle Vorteile haben sollen gegenüber den Reinigerinnen, die sich diesen Pflichten nicht annehmen möchten. Mitentscheiden werden die Mitglieder aber auch an den drei jährlichen Teamsitzungen und falls eine Entscheidung mal wirklich drängen sollte, könnten sie ihre Meinung auch per Telegram mitteilen. Es handelt sich folglich um ein demokratisches Geschäftsmodell, das alle, die möchten, auch mitgestalten können.
Herausforderungen dieses Jahr
Damit Autonomía wirklich selbstverwaltet ist, werden wir von FRAUEN 50Plus uns bis Ende 2023 aus dem Geschäft zurückziehen. Bis dahin bleibt aber noch einiges zu tun. Vor allem gilt es, alle Aufgaben, die wir bis jetzt noch übernommen haben, einer der Verwalterinnen beizubringen und die Verantwortung dafür abzugeben. Zu unserer Begleitung gehört auch, die Sozialkompetenzen der Verwalterinnen zu fördern, damit sie zusammen eine konstruktive Gesprächs – und Konfliktkultur entwickeln und lernen, Entscheidungen gemeinsam zu fällen. Denn kooperieren will gelernt sein!
Gegenseitige Hilfe
Carmen erklärt Abina wie man die Zeiterfassung kontrolliert.
Eine weitere Herausforderung dieses Jahr ist es, aus den Arbeiterinnen autonome und verantwortungsvolle Unternehmerinnen zu machen. Wichtiger Punkt hierbei: die Finanzen. Damit Autonomia auch finanziell selbstragend sein kann, muss die Kooperative noch ein wenig wachsen. Dieses Wachstum haben die Verwalterinnen auf maximal 50 Frauen festgelegt. Eine in ihren Augen ideale Grösse, bei der man noch die Übersicht hat und sich gegenseitig kennt. Ein Coachingmodell soll ebenfalls helfen. Eine Reinigerin, die bei Autonomía arbeiten möchte, geht zuerst bei einer Kollegin mit, um zu zeigen, wie gut sie die Technik der Reinigung beherrscht. Ist diese Etappe durchlaufen, wird sie von einer anderen Kollegin in die Arbeitsweise von Autonomía eingeführt.
Kopfarbeit
Damit in Zukunft noch mehr Reinigerinnen von den Vorteilen von Autonomia profitieren können, planen wir das Modell zu skalieren. Die Entwicklung einer guten Skalierungsstrategie bedeutet nicht nur viel Recherchearbeit, sondern auch viele Analysen. Um zu wissen, ob ein Modell auch an einem anderen Ort funktioniert, muss abklärt werden, welches die Bedingungen vor Ort sind und ob die eigene Organisation auch die Fähigkeiten dazu hat, dieses Modell zu multiplizieren. Diesbezüglich sind wir zuversichtlich ins neue Jahr gestartet, denn wir konnten unseren Vorstand komplett neu besetzen und sind nun sehr gut für alle zukünftigen Abenteuer aufgestellt. Wer diese Strateginnen sind, werden wir in einem nächsten Beitrag mit euch teilen.
Jael Bueno und Sabri Schumacher
Lektorin: Nina Meili