Zentrum für Care Kooperativen: neuer Name, gleiche Mission
Vor drei Jahren erfuhren wir von Kooperativen als Alternative zu prekären Arbeitsbedingungen. Seither bauen wir die Reinigungskooperative Autonomía auf. Nun ist es höchste Zeit, unseren Verein FRAUEN 50Plus dementsprechend neu auszurichten.
Wir sind Ende 2020 mitten in der gefühlt fünften Coronawelle: Die Reinigerinnen sind der Pandemie aufgrund ihres Berufes stark ausgesetzt und fallen gleichzeitig - trotz Ihrer Relevanz für die Gesundheit der Gesellschaft - durch das Sicherheitsnetz. Für Kurzarbeit werden viele nicht angemeldet, nicht wenige verlieren ihre Arbeitsstelle. Eine Stelle, die aufgrund der einseitigen Flexibilität und den tiefen Löhnen sowieso mehr zum Überleben als zum Leben dient.
Autonomía – die erste Kooperative für und von Frauen in Zürich
Angetrieben von den Geschichten von Maria, Jessica und weiteren Reinigerinnen, die in den Deutschkursen von FRAUEN 50Plus sassen, begannen wir anfangs 2021 mit der Recherche- und Konzeptarbeit. Das Dokument trug den Arbeitstitel «Autonomía». Kurz darauf starteten wir mit der Vorbereitung der zukünftigen Genossenschafterinnen. Rund zwei Jahre später existiert die Kooperative Autonomía nicht mehr nur auf Papier: Mit fast 50 Reinigerinnen und 600 Kund:innen ist die Kooperative auf gutem Weg in Richtung Stabilisierung. Der Weg war steil und es gab den einen oder anderen Stein zu beseitigen. Eine weitere Hürde war die geringe finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit - dafür war unsere Motivation umso höher. Es galt zuerst zu beweisen: Kooperativen von und für Frauen funktionieren.
Bessere Bedingungen sind möglich dank Kooperativen!
Im November entschieden wir zusammen mit unserem Vorstand, das Kooperativengeschäft zur Haupttätigkeit des Vereins zu machen und offiziell zum Zentrum für Care Kooperativen zu werden. Damit bleiben wir auch der ursprünglichen Mission von FRAUEN 50Plus gerecht – wenn auch mit einer Erweiterung der bisherigen Zielgruppe («Der Verein setzt sich für die Verbesserung der Lebenssituation der Frauen ab 50 Jahren ein.»). Denn wir sind überzeugt, dass wir mit Kooperativen Frauen* im Care Sektor gute Arbeitsbedingungen sowie Selbstbestimmung ermöglichen können. Kooperativen wie Autonomía sind für uns ein Mittel, unserer Vision näherzukommen: Der Förderung der Sichtbarkeit, Wertschätzung und ökonomischen Besserstellung von Care Arbeit.
Und wie wollen wir das anstellen?
Als Zentrum für Care Kooperativen werden wir einerseits wie bis anhin die operative Geschäftsführung von Autonomía Zürich übernehmen, um die guten Arbeitsbedingungen garantieren zu können. Gleichzeitig unterstützen und begleiten wir die Verwaltung von Autonomía in strategischen Fragen, organisieren Weiterbildungen in Deutsch-, Fach- und IT-Kenntnissen der Reinigerinnen und vernetzen uns mit anderen Genossenschaften und sozialen Unternehmen. In einem nächsten Schritt werden wir uns auf die Suche nach weiteren Reinigerinnen ausserhalb von Zürich machen, die Lust haben, ihre eigene Autonomía zu gründen. Diese Arbeit ist jedoch nicht gratis. Wir sind auf die finanzielle Unterstützung von Menschen angewiesen, die ebenfalls davon überzeugt sind, dass wir mit Kooperativen einen Beitrag für eine gerechtere Gesellschaft mit einer demokratischen Wirtschaft leisten.
Danke für euer Vertrauen und Unterstützung!
Herzliche Grüsse
Evelyn, Ida, Jael und Sabri
Fotos: Sandra Ritter
Lektorin: Nina Meili